Tagebau Jänschwalde in der Lausitz

Die Lausitz, Bagger, Kohle, Gott und der Teufel

„Gott hat die Lausitz erschaffen und der Teufel hat in ihr die Kohle vergaben“ sagt ein altes sorbisches Sprichwort.
Seit Jahrhunderten leben die Menschen in der Lausitz mit dem Fluch und dem Segen der Schätze ihres Bodens.
Der Preis: immer wieder bewegt sich der Boden in der Lausitz und es tun sich Löcher auf. Der Braunkohletagebau hat das Erdreich instabil gemacht. Dabei soll hier doch ein riesiges Seengebiet entstehen und Touristen anlocken.

Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) sanierte das Gebiet des ehemaligen Tagebaus. Dabei wurden die gekippten Böschungen abgeflacht, ehemalige Deponien entfernt oder gesichert, sowie Infrastruktur geschaffen und ehemalige Tagebauanlagen rückgebaut. Des Weiteren erfolgte eine Hebung und Reinigung des Tagebauwassers.

Gleich hinter der Landesgrenze, im Dörfchen Bergen bei Hoyerswerda, bot sich ein surrealer Anblick. Von wegen Müllkippe – eine riesige Fläche Wasser und Schlamm waberte da. Bäume trieben mitsamt Erdreich dahin, an vielen Stellen sprudelte Wasser bis fünf Meter hoch. Mehrere Lkw versanken gerade in der Brühe. Auf einem umgekippten Laster stand ein Mann und schrie um Hilfe.
Nur wenige Zeitungen berichteten über die dramatischen Ereignisse am 12. Oktober 2010 im einstigen Tagebau Spreetal, wo etwas geschah, was nicht hätte geschehen dürfen: 4,5 Millionen Kubikmeter Erde waren ins Rutschen geraten (Grundbruch) – Land, das als sicher galt.
Das Gelände einer Deponie war komplett in sich zusammengerutscht und hatte mehrere LKWs unter sich begraben. Es entstand ein großer See aus Wasser, Schlamm und Erdmassen. Ein LKW war wohl zeitweise vollständig versunken, kam aber wieder an die Oberfläche zurück und lag dann, zur Hälfte mit Erdmassen begraben, auf der Seite. Der Fahrer des LKW rettete sich auf das Dach seines Fahrzeuges, er konnte später gerettet werden.

Bergleute wussten immer, dass sich die Erde nicht ungestraft durcheinanderbringen lässt, dass sie immer wieder Opfer fordert, ob in Chile, Neuseeland oder in der Lausitz.
Die Verwunderung ist dennoch jedes Mal wieder groß: am 18. Juli 2009 in Nachterstedt beispielsweise, als ein 350 Meter breiter Landstreifen nebst Wohnhäusern und Straße in den Concordiasee stürzte und drei Menschen in den Tod riss. Oder im thüringischen Schmalkalden, wo sich kürzlich mitten im Wohngebiet ein Loch auftat. Mehr dazu ⇒  im Tagesspiegel!

Die ausgestellte Abraumförderbrücke F60 wurde von 1991 bis 1992 im Braunkohletagebau Klettwitz-Nord bei Klettwitz eingesetzt. Die Förderbrücke ist heute ein Projekt der Internationalen Bauausstellung Fürst-Pückler-Land und der Öffentlichkeit zugänglich. Außerdem ist sie ein Ankerpunkt der Europäischen Route der Industriekultur (ERIH). Das F60 wird aufgrund der Maße und der vergleichbaren Konstruktion auch als liegender Eiffelturm (der Lausitz) bezeichnet.

F60 ist die Serienbezeichnung von fünf Förderbrücken im Lausitzer Braunkohletagebau. Sie wurden vom ehemaligen VEB TAKRAF in Lauchhammer gebaut und sind die größten beweglichen technischen Arbeitsmaschinen der Welt. Als Abraumförderbrücke transportieren sie den Abraum, der über dem Kohleflöz lagert. Die maximale Abtragsmächtigkeit beträgt 60 Meter, daher auch die Bezeichnung F60. Mit einer Förderlänge von 502 Meter wird sie als liegender Eiffelturm bezeichnet. Insgesamt ist sie bis zu 80 Meter hoch und 240 Meter breit. Im betriebsfähigen Zustand wiegt die Abraumförderbrücke (ohne Bagger) 13.500 Tonnen.

Im Lausitzer Braunkohlerevier sind heute noch vier F60 in Betrieb: in den Braunkohletagebauen Welzow-Süd, Nochten, Jänschwalde und Reichwalde. Die fünfte und letzte gebaute Förderbrücke ist für Besucher begehbar und steht in Lichterfeld-Schacksdorf, siehe nachfolgende Fotos (von oben):

Der Bagger 1473 mit der Typenbezeichnung SRs 1500 ist ein Schaufelradbagger, der 1964/1965 vom VEB Schwermaschinenbau Lauchhammerwerk hergestellt wurde und bis 2002 im Einsatz war. Aufgrund seiner blauen Farbgebung wird der Schaufelradbagger landläufig auch „Blaues Wunder“ genannt.
Zwischen 1999 und 2002 diente er im ehemaligen Tagebau Meuro noch zur Rekultivierung und sollte dann verschrottet werden. Die Städte Senftenberg und Großräschen sowie die Gemeinde Schipkau wollten den Bagger jedoch erhalten und setzten sich erfolgreich für eine Übernahme ein. 2003 erfolgte die Umsetzung des Baggers an den Südwestrand des ehemaligen Tagebaus bei Hörlitz.

Weitere Quelle zum Tagebau unter: http://www.ostkohle.de/index.html

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s