Die Dessauer Zuckerraffinerie (Gärungschemie) und Zyklon B

Diesen Teil zu dokumentieren, fällt mir nicht leicht, da ich zu einigen Fotos die Zuordnung nicht weiß. Alle Fotos sind in 2011 und in 2013 entstanden. Und beginnen möchte ich mit 2013, wo ich mich an einem sonnigen Tag nahe der Fine befand, um aber eigentlich Streetart zu finden und zu fotografieren und dabei die nachfolgenden Fotos festgehalten werden konnten:

Die Zuckerraffinerie

Die Dessauer Zuckerraffinerie GmbH war ein von Maximilian und Emil Fleischer 1871 gegründetes Unternehmen in Dessau, welches zunächst Zucker aus Melasse herstellte und sich zum Beginn der 1920er Jahre in ein allgemeines Chemieunternehmen entwickelte.
Nach dem Ersten Weltkrieg sollte die Dessauer Zuckerraffinerie die im Gaswerk Dessau der Contigas bei der Herstellung von Leuchtgas anfallende Blausäure weiterverarbeiten. Dazu gründete man am 11. September 1921 die Dessauer Werke für Zucker- und Chemische Industrie AG, deren Tochtergesellschaften die Dessauer Zuckerraffinerie GmbH wurde.

Aufnahme aus 2013

Grund dafür war die weitere Finanzierung der Firmen mit ca. 1600 Beschäftigten. 1922 führte die Degesch Verhandlungen mit der Dessauer Zuckerraffinerie GmbH über die Produktion des Zyklon B.
Nach dem Bau einer ersten Anlage begannen am 18. April 1924 die Versuche. Am 12. November 1924 erfolgte die Genehmigung zur Herstellung durch die Behörden.

Aufnahme aus 2011

Die „Fine“, wie sie umgangsprachlich genannt wird, war Hauptherstellerin von Zyklon B, einem Produkt zur Entwesung, das auch zum Massenmord in nationalsozialistischen Vernichtungslagern eingesetzt wurde. Nachdem das Unternehmen nach dem Zweiten Weltkrieg in der DDR als Gärungschemie weitergeführt worden war, wurde es 2003 endgültig aufgelöst und 2011 die Geschäftsfelder wieder zur Dessauer Gärungschemie zusammengelegt.

Im Stammwerk und Hauptproduktionsstätte der Dessauer Werke für Zucker wurden etwa zwei Drittel sämtlicher Zyklon-B Mengen hergestellt. Die SS hatte das Recht, das Gift direkt vom Produktionsort Dessau abzuholen, um es nach Auschwitz, Auschwitz, Majdanek, Sachsenhausen, Ravensbrück, Stutthof, Mauthausen und Neuengamme und in andere Konzentrationslager zu bringen, wo in den Jahren 1941 bis 1945 Millionen Menschen aus ganz Europa: Juden, Sinti und Roma, sowjetische Kriegsgefangene, politische und andere Verfolgte des Naziregimes verbrecherisch ermordet wurden.

Laut Dr. Herbert Bode war die Degesch der einzige Abnehmer von Zyklon B, die auch Patentinhaberin war. Sie stellte auch Anlagen und Maschinen zu Verfügung. Zyklon B wurde mit und ohne Zusatz von Warnstoffen in Dessau hergestellt. Das Produkt wurde zur Durchgasung von Mühlen, Schiffen, Kühlhäusern und zur Entlausung in Massenunterkünften hergestellt. Allein für die Kriegsindustrie schätzte man 1943 den Bedarf auf 80 Tonnen. Exporte gingen 1943 in die Türkei, die Schweiz und nach Schweden. Zyklon B wurde ab 1942 – hauptsächlich im KZ Auschwitz-Birkenau – zum Massenmord benutzt.

In der Bauhaus-Stadt hat sich nun unter www.zyklon-b.info Bündnis der örtlichen NS-Geschichte angenommen und an der Brauereibrücke einen Informations- und Mahnpunkt errichtet. In das Brückengeländer, nicht weit vom früheren Standort der Zyklon-B-Produktion entfernt, sind Edelstahlzylinder eingelassen, die an die Giftdosen erinnern sollen.
Auf den Oberflächen der drehbaren und reflektierenden Zylinder kann man Informationen zur Geschichte der Dessauer Zyklon-B-Produktion nachlesen.
Im April 2008 brachte das Bündnis bereits gemeinsam mit der Stadt eine Plakette am ehemaligen Wohnhaus deportierter Juden aus Dessau an.

Das ehemalige Klubhaus und Schwimmhalle der VEB Gärungschemie

Entworfen vom Dessauer Architekten Kurt Elster, wurde unten sehendes Gebäude im Mai 1937 erstmals als „Kameradschaftshaus“ von den Nationalsozialisten für Propagandazwecke in Betrieb genommen.
Zum Tag der Eröffnung waren unter anderem auch hochrangige Gäste geladen, wie unter anderem der Reichsstatthalter, welcher als Beauftragter der Reichszentrale mit Eingriffs- Überwachungs- und Leitungsfunktionen betraut war. Er war dafür verantwortlich das die Richtlinien Adolf Hitlers eingehalten werden und überwachte die Einweihung. Belege dafür fand man in der Zeitung „Heimat“ vom 31. Mai 1937.

Das Objekt hat den Krieg unbeschadet überstanden und wurde später als eines der ersten Gebäude in Dessau für kulturelle und politische Zwecke genutzt. Am 23. März 1946 vereinigten sich im Kultursaal des Betriebs Sozialdemokraten und Kommunisten zur sogenannten sozialistischen Einheitspartei Deutschlands.
Zur damaligen Nutzung gehörten unter anderem Tanzveranstaltungen, Schwimmunterricht (dort drin war eine Schwimmhalle, wo auch ich schwimmen lernen sollte!), Einschulungen, Physiotherapie, Zahnarzt, Betriebsarzt, Bibliothek, Spielothek, Lager, etc. Einige Innenaufnahmen kann man sich hier ansehen!

In den 90er Jahren bekam das Gebäude dann erstmals unter dem Name „Paradies Inn“ das Konzept einer Großraumdisko, welche später immer wieder durch Betreiberwechsel den Namen änderte. „Blue Sky“, „Tiffany Parc“ und letzt endlich das „BIG“ bevor es einem Brandanschlag zum Opfer fiel und 2001 für immer seine Tore schließen musste.

Heute ist das Gebäude komplett zerstört und dient mehr oder weniger als Zufluchtsort für Obdachlose, als Müllablade oder auch als Location für das ein oder andere Fotoshooting. Laut Quellen soll sich das Kulturdenkmal in Besitz eines Ukrainers befinden, der allerdings nicht mehr aufzufinden ist. Da es nach dem Brand (logisch) nicht wieder saniert wurde, haben jetzt die Witterungseinflüsse dazu geführt, dass das Gebäude einsturzgefährdet ist.

Die Kulturfabrik der Gärungschemie

Das Fabrikgebäude in der Askanischen Straße 156 steht heute als Kulturfabrik unter Denkmalschutz. In der Historie des Webauftritts der Gärungschemie Dessau wird diese wichtige Information rund um das Zyklon B seit Jahren ausgelassen.


Zusammengefasst

Kategorie: Industrie
Bundesland: Sachsen-Anhalt/Germany
Baujahr: 1871 Grundsteinlegung
Verlassen seit:
Status: in Betrieb (ausgenommen das ehemalige Klubhaus)
Gesamtfläche:
Denkmalschutz: Ja (ehemaliges Klubhaus, Kulturhaus)
Architekt:

Erkundet: 2011, 2013
Foto-Copyright: URBAN ARTefakte
Text-Quellen: Wikipedia, Zyklon-B Info, Gärungschemie Dessau, RC-Dessau, IamLost

https://de.wikipedia.org/wiki/Zyklon_B

Dessau – Ehemaliges Kulturhaus Gärungschemie „Disco BIG“


https://web.archive.org/web/20070128013726/http://www.rc-dessau.de/bode.htm
http://web.archive.org/web/20130531203529/http://www.zyklon-b.info/start.htm

Klicke, um auf Inhaltsverzeichnis-Einleitung-Zyklon-B-Dessau.pdf zuzugreifen


http://web.archive.org/web/20161011120900/https://www.gaerungschemie-dessau.de/historie/

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