VEB Junkalor Dessau aus 2006

Die 1908 in Aachen gegründete Konstruktions- und Vertriebsabteilung Junkers & Co. OHG siedelte 1914 nach Dessau über. Die OHG wurde 1920 aufgelöst und firmierte ab 1932 als Einzelunternehmen „Kaloriferwerk Hugo Junkers“. Ab 1926 wurde die Abteilung Stahlbau zur Verwertung der Patente „Professor Junkers Lamellendach“ angegliedert. Das Werk stellte Apparate für Heizung, Kühlung, Lüftung und Trocknung her.

Mit dem Tod von Prof. Junkers und seines Sohnes Klaus wurde das Unternehmen 1935 durch Therese Junkers in München-Gauting fortgeführt.
1941 wurden die Therese Junkers gehörigen GmbH Kaloriferwerk, Kalorimeterbau, Motorenbau und Stahlbau sowie die Forschungsgesellschaft in München zu einer Firma unter der Bezeichnung „Hugo Junkers Werke GmbH“ zusammengefasst.

Aufnahme aus 2006

Die Betriebe wurden 1936 zur Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG vereinigt und alle Junkers-Firmen auf Kriegsproduktion umgestellt, die ab 1943 für den Krieg produzierten. Auf dem Gelände des Kaloriferwerkes wurden Baracken für über 500 Zwangsarbeiter errichtet.
Junkers wurde zu einem der wichtigsten deutschen Produzenten von Militärflugzeugen. Die später, ab 1939 im Krieg eingesetzten Flugzeuge – wie beispielsweise die Ju 87 oder Ju 88 – entstanden unter staatlicher Regie. Durch das Bombardement vom 7. März 1945 wurde das Werk zu 80 % zerstört.

Von 1944-1945 erfolgte die Verlagerung der Junkers- Werke Dessau als „Muldewerke Junkers“ nach Muldenstein. Die Werkhallen wurden dort als Montagehallen für die Junkers Motorenwerke Dessau umgebaut. In den Muldewerken der reichsdeutschen Rüstungsindustrie bauten Fachleute und mehr als 3000 Zwangsarbeiter Strahltriebwerke für die revolutionäre Ju 287. Weiterhin wurde das in Deutschland am meist gebaute Motorenmuster der JUMO 211 gebaut.

Per SMAD-Befehl erging nach Kriegsende um 1946 die Überführung in Volkseigentum und Unterstellung unter die Industriewerke Sachsen-Anhalt. Ab 1950 wurde der Betrieb als „VEB Junkalor Dessau“ fortgeführt.

Von 1947 bis 1990 stellt der VEB Junkalor Dessau Mess-, Steuer- und Regelungstechnik für die Industrie her. 1996 wird das Werk geschlossen.

Abriss des Geländes ab 2010

Ab 2010 erfolgte der systematische Abriss der Junkalor-Anlagen mit Ausnahme der ebenfalls unter Denkmalschutz stehenden Lamellen-Halle. Von Seiten Dessau aus hieß es dazu:

„Auf dem ehemaligen Firmengelände des traditionsreichen Junkers-Kaloriferwerkes und der späteren Junkalor-Werke entsteht in bester zentrumsnaher Lage ein neues, ca. 6 ha großes, Gewerbegebiet. Nach Abschluss umfangreicher Sanierungs- und Rückbauarbeiten geht das Gewerbegebiet voll erschlossen und altlastenfrei in die Vermarktung. Die verkehrsgünstige innerstädtische Lage des Geländes direkt an den Bundesstraßen B184/B185 sowie die den Standort tangierenden Straßenbahn- und Buslinien gewährleisten potentiellen Mitarbeitern, Kunden oder Lieferanten eine exzellente Erreichbarkeit. Angestrebt wird (…) eine Ansiedlung von produzierendem Gewerbe und unternehmensnahen Dienstleistungen. “ (Quelle: nicht mehr bekannt)

Das gesamte Gelände, einschließlich des denkmalgeschützten Verwaltungsgebäudes wurde abgerissen. Lediglich die stark beschädigte Lamellenhalle konnte erhalten bleiben.

Nachtrag: folgende historische sowie architektonische Informationen sind dem Portfolio und Projekt: „Industriekultur Hugo Junkers e.V.“ entnommen, deren Website mittlerweile offline ist:

verwaltungsgebäude

Das dreigeschossige Gebäude wurde aufgrund der Durchführung der Altener Strasse durch das Fabrikgelände 1936/37 gebaut und bildete den Auftakt zu den Junkers-Werken nach Westen.
Es besteht aus einem von der Abteilung Stahlbau produzierten Stahlskelett mit vorgehangener Klinkerfassade. Die geplante (und hier gezeigte) Metallfassade wurde zur Entstehungszeit des Verwaltungsgebaeudes von der Baupolizei verboten.
Die Besonderheit der Junkerschen Metallhäuser ist die Verwendung von extrem dünnen, aus Gründen der Statik nach innen gewölbten Blechen in Doppelwandbauweise. Sie entspringen intensiver wissenschaftlicher Forschung und zeigen eine Schönheit, die an die Kannelierung der dorischen Säule erinnert.
Das baufällige Gebäude könnte in dieser Form saniert werden, um als Beispiel für die Innovation der Junkerschen Metallhausforschung in Dessau zu dienen.
Ein Einfamilienhaus mit Metallhaut von 1931 wurde 1935 nach München versetzt und ist heute im Technikmuseum Hugo Junkers in Dessau zu sehen. Die beiden Versuchsbauten in Dessau von 1929 (Farbspritzhalle und Tennisklubhaus) existieren nicht mehr.

wohnhaus

Das um 1890 erbaute kleine Ziegelgebäude besteht aus einem übergiebelten Mittelrisalit mit Querhaus und ist mit Ziegelornamentik geschmückt. Der ehemals symmetrische Bau ist nach süden erweitert und erst mit der Durchführung der Altener Straß e an die Straßenfront gerückt.
Es ist das letzte Zeugnis der vier industriellen Ziegeleien an der Junkersstraße, die mit der gesteigerten Nachfrage der Großindustrie entstanden sind.
Bis 1939 war die Ziegelei in Betrieb. Der Ringofen und der Schornstein sind im selben Jahr für die Erweiterung der Kalorimeterbau Hugo Junkers GmbH abgerissen worden. Der zum gleichen Zweck umgebaute Pferdestall ist noch teilweise zu erkennen.
Das ehemalige Wohnhaus sollte unter Denkmalschutz stehen und nicht als Industriebrache einem Abriss zum Opfer fallen. Bedeutsam für die Stadtstruktur ist es auch als eines der ältesten Bauwerke zwischen Dessau-Zentrum und Dessau-Alten.

büro und fabrikgebäude

Die aus ca. 1897 und ehemals 140m lange gründerzeitliche Zeile aus Ziegelmauerwerk mit klaren repetativen Rhytmus wurde an der Nordseite aufgrund der projektierten Durchführung der Altener Straße Ende der 1930er Jahre um 25m rückgebaut. Das Gebäude ist trotz mehrfacher Um- und Anbauten in seiner Grundstruktur gut erhalten, es wurde von verschiedenen Betrieben genutzt und besitzt flexible Grundrisse.

lamellenhalle

Die Rundbogenhalle wurde im Kaloriferwerk entwickelt, hergestellt und weltweit exportiert. Walter Gropius prägte für diee Konstruktion den Ausdruck: „Schönheit der Technik“. Die Bauweise geht zurück auf ein Patent Friedrich Zollingers von 1906, der sie in Holz ausführte.
Die hauptsächlich für Flugzeugträger gedachte Halle besteht aus drei kontstruktiven Elementen: der Lamelle, dem Knotenblech und der Pfette.
Fünf Hallen finden sich unter den noch existierenden Lamellenkonstruktionen in Dessau:
– auf dem Junkalor-Geälnde von 1929 mit Rundbogen
– das Bootshaus am Leopoldhafen von 1930 mit Spitztonne
– der kleine Hangar am Flugplatz von 1933 mit Rundbogen
– die zwei Lamellendaecher des Wasserwerkes mit Flachtonne und Zugstangen
Die Halle bildet mit dem Verwaltungsgebaeude eine Einheit als Ausdruck der Hochbauabteilung des Kaloriferwerkes und der Metallarchitektur der Junkers-Werke in Dessau.


Zusammengefasst

Kategorie: Industrie
Bundesland: Sachsen-Anhalt/Germany
Baujahr: ab 1895/97 (siehe „Baustein der Moderne“ oder obige Auflistung)
Verlassen seit: 1996
Status: abgerissen bis auf die Lamellenhalle (ab 2010)
Gesamtfläche:
Denkmalschutz: Ja
Architekt:

Erkundet: 2006 (vor Abriss)
Foto-Copyright: URBAN ARTefakte
Text-Quellen: Wikipedia, Hugo Junkers Info, Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Baustein der Moderne, Patifakte

https://de.wikipedia.org/wiki/Stahl-Lamellenhalle
http://www.hugo-junkers.info/junkers-pfad-dessau-west.html
http://recherche.landesarchiv.sachsen-anhalt.de/Query/detail.aspx?ID=195710
http://www.bausteindermoderne.de/portfolio.html
https://www.patifakte.de/artefakte_muldenstein.htm#info

Ein Gedanke zu “VEB Junkalor Dessau aus 2006

  1. Es tut mir leid,daß zu sehen!Ich habe 1990 meine Lehre als Industriemechaniker in Junkalor angefangen und auch beenden dürfen!Grossen Dank an Georg Speich und Frank Mehland…des weiteren an alle Junkalor_Mitarbeiter…Viehte,Peter(Schlosserei) und Danke an Dieter und Peter(bei denen ich E-Hand-und MiG_MAG Schweißen gelernt habe)…und an an alle anderen….DANKE! Ich bin zwar weg,aber immer noch da!Gruss Biggi (Biggi(bianca stroka)

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