Das Kunsthaus Tacheles in Berlin-Mitte

Das Kunsthaus Tacheles war ein Kunst- und Veranstaltungszentrum in der Oranienburger Straße im Berliner Ortsteil Mitte.
Es nutzte zwischen 1990 und 2012 einen vor dem Abriss geretteten Gebäudeteil eines ehemaligen Kaufhauses.
Selbst war ich im Jahr 2009, 2010, 2011 und einmal kurz 2012 dort. Leider nicht mit den besten Aufnahmen.

Die Redewendung „Tacheles reden“ (von hebräisch tachlit (תכלית) ‚Ziel‘, ‚Zweck‘; jiddische Bezeichnung für ‚Klartext‘) bedeutet: direkt und unverblümt offen zu reden (z. B. „Jetzt red’ mal Tacheles!“).
Die Künstlerinitiative Tacheles, die das Haus 1990 besetzte, gab sich aufgrund der Probleme, die die freie Meinungsäußerung zu DDR-Zeiten mit sich brachte, diesen Namen. So mussten viele Botschaften in Musik, Film und Kunst zweideutig versteckt werden. Das Durchbrechen dieser Zweideutigkeit in der Kunst war ein Ziel der Künstlergruppe. Mit der Zeit ging der Name der Gruppe auf das Gebäude selbst über.

Oranienburger Straße mit Blick auf die Jüdische Synagoge

Das von Franz Ahrens in 15 Monaten von 1907 bis 1908 errichte Gebäude ist 1909 als Friedrichstraßenpassage eröffnet worden. Es verband die Friedrichstraße mit der Oranienburger Straße. Nach der Kaiserpassage war sie die zweitgrößte Einkaufspassage der Stadt. Die Baukosten betrugen sieben Millionen Mark.

Das fünfgeschossige Gebäude war aus Stahlbeton gebaut. Die Mittelhalle, in der die abgeknickten Passagenteile von der Friedrich- und Oranienburger Straße zusammentrafen, trug eine der ersten Kuppeln aus diesem Werkstoff. Das Haus kann der frühen Moderne zugeordnet werden und enthält klassische und gotische Einflüsse. Der Komplex besaß ein eigenes Rohrpostsystem.

Das Gebäude wurde ab 1928 von der AEG genutzt und fortan von der Inhaberin, der Berliner Commerz- und Privatbank, als Haus der Technik bezeichnet. Die AEG nutzte die Räumlichkeiten, um Produkte vorzustellen und Kunden zu beraten.
Anfang der 1930er Jahre wurde das Haus zunehmend von NSDAP-Dienststellen genutzt. Mitte der 1930er Jahre zog die Deutsche Arbeitsfront mit Büros für den Gau Kurmark in das Gebäude und wurde 1941 auch Eigentümerin des Gebäudes. Zur gleichen Zeit zog auch das Zentralbodenamt der SS dort ein.

Das Haus wurde zu DDR-Zeiten 1948 vom Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB) übernommen und verwitterte im Laufe der Jahre.
Vorübergehend zogen verschiedene Einzelhändler und Handwerksbetriebe, besonders auf der Seite der Friedrichstraße ein. Das Deutsche Reisebüro nutzte den schnell und provisorisch wiederhergestellten Passagentrakt und einige obere Stockwerke.
Des Weiteren waren im Gebäude unter anderem eine Artistenschule, eine Hundeschuranstalt, die Fachschule für Außenwirtschaft und Büroräume von RFT untergebracht. Die Tresorräume des Kellergeschosses nutzte die Armee der DDR: die Nationale Volksarmee.

Obwohl das Gebäude während des Zweiten Weltkriegs nur mittelmäßig beschädigt wurde, sollte es auf Grund zweier Statikgutachten aus den Jahren 1969 und 1977 abgerissen werden, da es trotz intensiver Nutzung nie zu einer Sanierung gekommen war. Eine neue Straße sollte über das Gelände verlaufen und eine Abkürzung zwischen Oranienburger Straße und Friedrichstraße bilden.
Der Abriss begann 1980. Zwei Jahre später wurden das Kino geschlossen und der noch komplett erhaltene Kuppelbau gesprengt. Der noch heute stehende Teil sollte laut Plan im April 1990 abgebaut werden.

Künstlerinitiative Tacheles

Kurz vor der planmäßigen Sprengung wurde der noch stehengebliebene Rest des Gebäudes am 13. Februar 1990 von der Künstlerinitiative Tacheles besetzt. Durch Verhandlungen mit der Baudirektion Berlin-Mitte, die als Rechtsträger für den Komplex zuständig war, und unter Berufung auf Denkmalschutz versuchten die Besetzer, den Abriss zu verhindern. Trotzdem sollte das Haus laut Magistratsbeschluss 150/90 am 10. April 1990 gesprengt werden, worauf die Besetzer beim Berliner Runden Tisch einen Dringlichkeitsantrag stellten, der den Abriss vorläufig stoppen konnte.

Die Künstlerinitiative ließ ein neues Gutachten zur Bausubstanz und Statik erstellen. Auf Grund des positiven Ergebnisses wurde das Haus zunächst vorläufig unter Denkmalschutz gestellt, der nach einem weiteren Gutachten vom 18. Februar 1992 bestätigt werden konnte.

Das Gebäude wurde bunt bemalt, aus Schutt wurden verschiedene Skulpturen errichtet. Durch unterschiedliche Auffassungen der Künstler aus Ost- und Westdeutschland entstanden anfangs viele Kontroversen.
Mittlerweile hatte sich der Komplex, der vom Tacheles e. V. betrieben wurde, zu einem festen und großen Kunst-, Aktions-, Veranstaltungs- und Kommunikationszentrum in Berlin entwickelt.
In dem Gebäude befanden sich unter anderem rund 30 Künstlerateliers, Ausstellungsflächen und Verkaufsräume für zeitgenössische Kunst, das Programmkino „High End 54“, die „Panorama-Bar“ sowie diverse Veranstaltungsorte wie das Café Zapata und der 400 m² große „Blaue Salon“, in denen Konzerte, Lesungen, Ausstellungen und Performances stattfanden.
In dem vom Tacheles-Künstler und Gastronom Ludwig Eben geführten „Cafe Zapata“ gab es von 1990 bis 2010 u. a. Konzerte, Lesungen sowie Veranstaltungen auf der Freifläche vor dem Tacheles, in dem ein Park aus Metallskulpturen errichtet wurde.

Der „Goldene Saal“ umfasste die gesamte erste Etage des Tacheles – hier befand sich eine Bühne, die ein wichtiger Spielort für die Off-Theaterszene und vor allem für die freie zeitgenössische Tanzszene in Berlin war.
Das Kunsthaus Tacheles wurde am Morgen des 4. September 2012 geräumt, wobei es nur einen symbolisch-künstlerischen Protest gab. Ein Teil der Künstler ist nach Marzahn auf das Gelände des ehemaligen Magerviehhofs gezogen. Seitdem steht das ehemalige Kunsthaus ungenutzt leer.


Zusammengefasst

Kategorie: Industrie
Bundesland: Berlin/Germany
Baujahr: 1907-1908
Verlassen seit: 1990, danach Zwischennutzung bis 2012
Status: Leerstand
Gesamtfläche:
Denkmalschutz: Ja
Architekt: Franz Ahrens

Erkundet: 2009, 2010, 2011, 2012
Foto-Copyright: URBAN ARTefakte
Text-Quellen: Wikipedia

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