Das Geisterschiff von der Spree

Ein Schiff ohne Bootssteg 

Ein Schiff, verankert und ohne Bootssteg. Einsam und verlassen und vom Vandalismus schon sehr zerstört. Da kommt die Frage auf: was ist das für ein Schiff und welche Geschichte hat es? Dem bin ich nachgegangen.

Das Schiffswrack, welches ein zum Ausflugsschiff umgebauter Frachter von 1959 war, liegt seit Oktober 1996 abgeschleppt unweit des Badeschiffs in Berlin Treptow-Köpenick, im ehemaligen Grenzkontrollhafen der DDR halbversunken in der Spree.
Laut Medienberichten sollte das Schiff schon seit ca. 2 Jahren „weg“ sein und trägt laut Kapitän Günther van den Lücht den Namen der Chemnitzerin Doktorin Dr. med. Ingrid Monika Rotraut Wengler (Fachärztin für Chirurgie), die im Jahre 1979 tödlich bei einem Autounfall in Sachsen-Anhalt verunglückte.

Zuletzt war sie chirurgische Oberärztin am Dreifaltigkeits-Hospital in Lippstadt (NRW). Sie war die große Liebe des Kapitäns. Dieser war einstiger Manager bei Triumph-Adler für den Bereich „EDV im Bildungswesen“.
Van de Lücht spricht von Behördenwillkür, das sein Boot eines Tages einfach abgeschleppt wurde. Er war als neuer Eigentümer der MS Dr. Ingrid Wengler nach dem Fall der Mauer mit diesem pleite gegangen.
Irgendwann war der „Kahn“ weg und seitdem liegt es am besagten Ort ohne Steg und van de Lücht kann dieses Schiff natürlich nicht mehr betreten.

Der Tagesspiegel schreibt allerdings dazu:

Kaptän Franz van de Lücht benannte sie nach seiner verstorben Frau. Er lebte auf dem Schiff und veranstaltete Kreuzfahrten nach Schwerin. Wenn er in Berlin war, legte er in Stralau an.
Eines Tages habe es das Wasser- und Schiffahrtsamt dort abschleppen lassen, sagt van de Lücht. „Die fanden, dass es störte.“ Am neuen Liegeplatz konnte er nicht mehr an Bord, und war damit „obdachlos“.“
Auch hier sind die Eigentumsverhältnisse verwickelt. Michael Scholz vom Schiffahrtsamt sagt, eine Bank habe „eigentumsgleiche Rechte.“ Er sei zwar im Rückstand mit einer Hypothek, sagt von de Lücht, aber: „Ich bin Besitzer und Eigentümer.“ Trotzdem unternimmt der Kapitän nichts, um sein Schiff wiederzubekommen. „Ich bin in Warteposition.“ Die anderen auch.

Der Käptn hat eine Website erstellt: Dr. Ingrid Wengler. Sogar einen Fanclub gibt es auf Facebook. Man möchte das Schiff weiterhin irgendwie erhalten, aber es rottet Jahr für Jahr weiter vor sich hin…

Unweit der MS Dr. Wengler liegt auch das Berlin-bekannte Schiff: „MS Hoppetosse“. Mit diesem Club-Schiff kann man ganz gemächlich auf den Spreewellen schaukeln, sich von atmosphärischen Clubklängen davontreiben lassen und auch nach dem dritten Cocktail noch beruhigt feststellen können, dass die Hoppetosse fest vertaut ist. Allerdings mit Bootssteg!

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