Die „Firma“ und ihre Kegelbahn

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Bevor ich hier neue Beiträge poste, überarbeite ich – wie angekündigt, erstmal die alten Artikel, so dass diese mit all ihren Inhalten gefüllt sind. Nachzulesen dann unter News, inwieweit neues (altes) zu sehen ist! Die Villa Dr. Anna L. ist heute überarbeitet worden, wer sich das gerne ansehen will!

Ursprünglich wollte ich hier noch ein Posting über die Sandsation bringen, allerdings fällt das mehr unter Streetart/Installationen, weswegen ich heute noch ein paar wenige Bilder aus dem letzten Jahr veröffentlichen will.


Mielkes Märchen-Schloss in Brandenburg

Die Firma – wie die Stasi umgangsprachlich auch genannt wurde, residierte vor allem in den Wäldern von Brandenburg. Im letzten Jahr, ungefähr zur gleichen Zeit, machte ich einen Abstecher dorthin. Wir besuchten erst einmal das Wildparkgehege, wo sich u.a. auch Wildpferde oder besser gesagt: Konik´s befinden. Scheu sind sie nicht, es gab dank meiner Begleitung ein paar witzige Fotoaufnahmen 😉

Tief in den Wäldern von Wandlitz befindet sich diese Anlage und wenn schon etwas „pompöses“ in Wandlitz zu stehen scheint, ist meist schon die Frage beantwortet, das es sich hier um Gebäude der ehemaligen Staatssicherheit der DDR handelt. Aber: das Haus hat natürlich noch eine viel ältere Geschichte und reicht noch länger zurück…

Zu betreten ist dieses Schloss nicht, die eine Innenaufnahme von mir (Regionen der Zukunft) stammt aus einer anliegenden Baracke. Der Berlin-Kurier hatte 2012 darüber einen Artikel gebracht, wo man sich einige, wenige Fotos auch von innen ansehen kann. Hier ein Auszug des Textes:

Erbaut wurde das Schloss 1768 vom Berliner Lederfabrikanten Peter Friedrich Damm. Den markanten Turm ließ der Pankower Amtsvorsteher Adolf Friedrich Wollank aufsetzen, nachdem er das Schloss im Jahre 1894 erworben hatte.
Spannend wird die Geschichte des Hauses ab dem Jahr 1929. Damals erwarb es ein Brite, der Deutschland allerdings 1938 verließ, weil seine Frau Jüdin war. 1940 wurde der Besitzer enteignet, das Schloss gehörte fortan Heinrich Himmler.
Der Reichsführer-SS ließ hier von Januar bis Juli 1943 25 männliche Häftlinge aus dem KZ Sachsenhausen schuften. „Bau- und Instandhaltungsmaßnahmen“, nannte man das.
Als Himmler und das Dritte Reich untergegangen waren, besetzten sowjetische Truppen das Schloss. Sie nutzten es erst als Lazarett, dann als Casino für Offiziere der Roten Armee. Und rot sollte auch seine Zukunft sein.
1959 übernahm Stasi-Chef Erich Mielke die Schlossherrschaft. Er nutzte es bis zur Wende als sein Jagdschloss, ließ Gästehäuser in den Schlosspark setzen, einen Wirtschaftshof errichten und funktionierte den wunderschönen Wandelgang, der ans Schloss anschließt, um. Zu einer Kegelbahn! Dass der Minister nicht nur für die Sportvereinigung Dynamo, sondern auch für den Kegelsport schwärmte, war aber natürlich Verschlusssache.

Heute liegt Laub, wo früher die Kugeln rollten. Fenster gibt es nicht mehr und die Holzbahn ist morsch. Nur der Aufbau am Ende der Kegelbahn verrät ihre frühere Funktion. Am anderen Ende führen Stufen zu einem Podest mit zwei Sitzbänken. Deren Polster sind kaputt. Aber die Holzvertäfelung ist offenbar von bester Qualität. So gut, dass sie das einzige ist, was die Zeitenwende nahezu unbeschadet überstanden hat. Vom Hauptgebäude ist die Kegelbahn durch schwere Eisentore abgeriegelt.
Mielke war es übrigens auch, der zwischen 1968 und 1978 weitere Umbaumaßnahmen auf dem Gelände vornahm. Er ließ einen unterirdischen Bunker bauen, und ein Mansardendach wurde durch ein Vollgeschoss ersetzt. Noch heute erkennt man das an den unterschiedlichen Fensterrahmen des Hauses.


Mittlerweile (Stand August 2016) gibt es aber wieder Hoffnung. Ein neuer Partner wurde gefunden und mit viel Glück kann dieses Schloss bald wieder zum Leben erweckt werden! Die Fotos:


Alle Fotos des Schlosses und den Wildpferden sind hier auf flickr zu finden.

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