Stasi-Schloss Dammsmühle in Wandlitz

Kegeln in Brandenburg´s Wäldern

Eingebettet im malerischen Naturschutzgebiet der Mühlenbecker Seen, am nördlichen Rand der Metropole Berlin liegt das neobarocke Herrenhaus und Schloss Dammsmühle.

Die Stasi; wie der ehemalige Geheimdienst der DDR umgangsprachlich für das MfS (Ministerium für Staatssicherheit) genannt wurde, residierte fernab von hauptamtlichen Stellen sowie konspirativen Wohnungen in der Berliner City auch in den Wäldern von Brandenburg. Wandlitz ist den meisten wohl bekannt.
Im letzten Jahr, ungefähr zur gleichen Zeit, machte ich mit einer Begleitung einen spontanen und kurzen Abstecher dorthin.

Das Schloss hat schon die kuriosesten Namen im Netz erhalten: Stasi-Schloss, Rapunzels Stasi-Schloss, Märchenschloss, Dornröschenschloss, das Schloss in dem es spukt….mit einer Kegelbahn von Heinrich Himmler oder doch von Erich Mielke?

Dort hatten in den letzten Jahren schon die Nazis residiert, der KGB trieb dort sein Unwesen und bis zur Wende 1989 war es von der Stasi besetzt, u.a. laut BStU auch mit ihrem (Militär)-Pionierlager Feliks E. Dzierzynski; wobei es hier aber auch schon wieder Ungereimtheiten gibt, folgt man dem Bericht der Presse der Märkische Allgemeine Zeitung.
Stasi-Minister Erich Mielke ließ in Dammsmühle hässlich funktionale Gästehäuser, einen Wirtschaftshof und einen Bunker bauen, der sogar über ein eigenes Kommunikationsnetz verfügte. Im Schlossinneren ließen es sich die obersten Stasikader gutgehen: Es gab eine Sauna, einen schmucken Speisesaal und der ehemalige Wandelgang diente fortan als Kegelbahn. Das Volk im Arbeit- und Bauernstaat blieb freilich weiträumig ausgesperrt.

Der Berliner Kurier schreibt zum Schloss Dammsmühle folgendes:

1959 übernahm Stasi-Chef Erich Mielke die Schlossherrschaft. Er nutzte es bis zur Wende als sein Jagdschloss, ließ Gästehäuser in den Schlosspark setzen, einen Wirtschaftshof errichten und funktionierte den wunderschönen Wandelgang, der ans Schloss anschließt, um. Zu einer Kegelbahn! Dass der Minister nicht nur für die Sportvereinigung Dynamo, sondern auch für den Kegelsport schwärmte, war aber natürlich Verschlusssache.
Mielke war es übrigens auch, der zwischen 1968 und 1978 weitere Umbaumaßnahmen auf dem Gelände vornahm. Er ließ einen unterirdischen Bunker bauen, und ein Mansardendach wurde durch ein Vollgeschoss ersetzt. Noch heute erkennt man das an den unterschiedlichen Fensterrahmen des Hauses.

Erbaut wurde das Schloss 1768 vom Berliner Lederfabrikanten Peter Friedrich Damm. In Berlins Mitte bewohnte Damm das heutige Ermelerhaus und kaufte 1755 die neun Jahre zuvor errichtete Wassermühle zwischen Mühlenbeck und Schönwalde. Er erweiterte sie zu einem Landgut, das sich am preußischen Königshof schnell als schönes und diskretes Ausflugsziel herumsprach.
Den markanten Turm ließ der Pankower Amtsvorsteher Adolf Friedrich Wollank aufsetzen, nachdem er das Schloss im Jahre 1894 erworben hatte.
Spannend wird die Geschichte des Hauses ab dem Jahr 1929. Damals erwarb es ein Brite, der Deutschland allerdings 1938 verließ, weil seine Frau Jüdin war. 1940 wurde der Besitzer enteignet, das Schloss gehörte fortan Heinrich Himmler.
Der Reichsführer-SS ließ hier von Januar bis Juli 1943 25 männliche Häftlinge aus dem KZ Sachsenhausen schuften. „Bau- und Instandhaltungsmaßnahmen“, nannte man das.
Als Himmler und das Dritte Reich untergegangen waren, besetzten sowjetische Truppen das Schloss. Sie nutzten es erst als Lazarett, dann als Casino für Offiziere der Roten Armee.

Heute liegt Laub, wo früher die Kugeln rollten. Fenster gibt es nicht mehr und die Holzbahn ist morsch. Nur der Aufbau am Ende der Kegelbahn verrät ihre frühere Funktion. Am anderen Ende führen Stufen zu einem Podest mit zwei Sitzbänken. Deren Polster sind kaputt. Aber die Holzvertäfelung ist offenbar von bester Qualität. So gut, dass sie das einzige ist, was die Zeitenwende nahezu unbeschadet überstanden hat. Vom Hauptgebäude ist die Kegelbahn durch schwere Eisentore abgeriegelt.

Innenaufnahmen

Neben dem Tagesspiegel hatte auch der Berliner Kurier über das Schloss berichtet. Die nachfolgend aufgelisteten Verweise empfehle ich dazu zu lesen:  [1] [2] [3] [4]
Der Berliner Kurier war hierbei etwas mehr in die Tiefe gegangen und hat auch Innenaufnahmen vom Schloss publiziert; den Link zur PDF-Datei des Artikels (archiviert) kann man sich alternativ auch hier ansehen!

Die restlichen, wenigen Fotos von mir:

Seit Jahren ist das Schloss Dammsmühle im Besitz eines Privatmannes aus Niedersachsen. Er lässt das Anwesen von einem Berliner Unternehmensberater verwalten.


Zusammengefasst

Kategorie: Herrenhaus
Bundesland: Brandenburg/Germany
Baujahr: 1768
Verlassen seit: ca. 1997 mit unterschiedlichen Käufern/Zwischennutzungen
Status: unsaniert
Gesamtfläche: 28 ha mit denkmalgeschützter Parkanlage
Denkmalschutz: Ja
Architekt: Lederfabrikant Peter Friedrich Damm

Erkundet: 2015
Foto-Copyright: URBAN ARTefakte
Text-Quellen: Wikipedia, Schloss Dammsmuehle, Tagesspiegel, Berliner Kurier

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