Jüdischer Friedhof Weißensee in Pankow

Mitten in einem Wohngebiet im Bezirk Pankow liegt der Ortsteil Weißensee. Dort liegt der größte jüdische Friedhof Europas, der noch aktiv ist. Der Jüdische Friedhof Berlin-Weißensee.
42 Hektar groß ist der 1880 angelegte Friedhof, der derzeit 115.000 Grabstellen umfasst und immer noch genutzt wird. Seit 1977 steht er unter Denkmalschutz, und immer mal wieder werden Stimmen laut, er gehöre auf die Liste des Weltkulturerbes.

In Berlin gibt es noch 4 erhaltene jüdische Friedhöfe, wovon auf zwei von ihnen noch beigesetzt wird, auf dem jüdischen Friedhof Weißensee und dem Waldfriedhof Heerstraße.
Die beiden anderen, der Friedhof Große Hamburger Straße und der Friedhof Schönhauser Allee, sind seit Ende des zweiten Weltkrieges geschlossen.

Aber der Friedhof ist keine Parklandschaft wie andere. Am Eingang erinnert ein Rondell an die Opfer des Holocausts. Es erinnert an die Ermordeten in den Vernichtungslagern. An der kleinen Mauer dahinter sind Gedenktafeln angebracht – für Holocaustopfer, die nirgendwo einen Grabstein haben, weil ihre Asche verstreut wurde. Dort sind die Namen etlicher Konzentrations- und Vernichtungslager zu lesen, in denen Juden aus ganz Europa und Tausende aus Berlin ermordet wurden: Treblinka, Stutthoff, Theresienstadt, Auschwitz.
Auf den kreisförmig angeordneten Steinen sind die Namen aller großen Konzentrationslager eingemeißelt. Hinter dem Rondell befindet sich die 1880 von Hugo Licht errichtete alte Trauerhalle:

Nicht nur, dass der Jüdische Friedhof Weißensee die Nazi-Zeit ungeschändet überstanden hat, war dieser während des Naziregimes nicht geschlossen. Für viele Juden wurde das Gräberfeld Anfang der Vierzigerjahre auch zu einer Art Zuflucht vor der feindlichen Außenwelt. Jüdische Jugendliche konnten dort unter Aufsicht eines Rabbiners Sport treiben und Fußball spielen.
Aus Verzweiflung über die Verfolgung und bevorstehende Deportationen nahmen sich aber auch viele jüdische Einwohner Berlins das Leben, was dazu führte, dass die Zahl der Bestattungen im Jahr 1942 einen Höhepunkt erreichte. Insgesamt sind auf dem Friedhof 1907 Juden begraben, die zwischen 1933 und 1945 Suizid begingen.

Für manche jüdische Familien sind die Gräber dort das Einzige, was an ihre Angehörigen aus der Zeit vor dem Holocaust erinnert. Und manchmal entdecken sie Vorfahren, von denen sie gar nicht wussten, dass es sie gab.
Viele kommen und legen einen Stein auf das Grab. Nur auf wenigen Gräbern stehen Blumen – meistens von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion, die erst in den vergangenen Jahren bestattet wurden. Denn Begräbnisse gibt es nach wie vor und deshalb auch manchen moderneren Grabstein – wie den für den 2001 verstorbenen Schriftsteller und Alterspräsidenten des Deutschen Bundestags, Stefan Heym.

Manche der alten Grabsteine sind moosbedeckt, andere umrankt von Efeu. Es gibt Grabplatten, die nicht viel größer sind als ein Zeichenblock, und Mausoleen von der Grundfläche einer Einzimmerwohnung.
Es gibt Gräberfelder mit Grabsteinen, die ordentlich Reihe in Reihe stehen, und andere, wo sie längst Schlagseite bekommen haben, umgestürzt sind oder Teile der Grabanlagen abgestützt werden müssen, damit das nicht passiert.

Über den Jüdischen Friedhof zu laufen, hinterlässt ein Verlustgefühl: Der jüdische Teil der deutschen Gesellschaft ist mit dem Holocaust so gut wie verschwunden. Namen wie Maybaum, Cohn und Oppenheimer, Bernstein, Levy und Wiesenthal gab es einmal in fast jeder Stadt. Auf dem Jüdischen Friedhof liest man sie immer wieder, auf den Klingelschildern nicht mehr.

Berühmte Grabstätten auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee

Auf dem Weißenseer Friedhof ruhen Männer und Frauen, die sich durch außerordentliche Leistungen in Medizin und anderen Natur- und Geisteswissenschaften, bildender Kunst, Literatur und Publizistik, Technik, Industrie und Handel oder der Kommunalpolitik bleibende Verdiente erworben haben.

Zahlreiche Berliner Persönlichkeiten sind hier beigesetzt, unter anderem der Sozialpolitiker Max Hirsch (1832-1905), der hebräische Schriftsteller Micha Josef Bin Gorion (1865-1921), der Maler Lesser Ury (1861-1931) sowie die Verleger Samuel Fischer (1859-1934) und Rudolf Mosse (1843-1920).
Bis 1998 wurden auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee mehr als 115.200 jüdische Bürger Berlins beigesetzt.

Bekannt sind u.a. vielfach sehr aufwendige Grabgestaltungen der Architekten Erdmann & Spindler, Lachmann & Zauber, August Orth, Bruno Schmitz, Alfred Messel, Ludwig Hoffmann, Martin Dülfer und Walter Gropius, der Bildhauer Otto Stichling und Hans Dammann.
Der Schriftsteller Kurt Tucholsky, der vor den Nazis aus Deutschland floh, hat dem Friedhof ein melancholisch-schönes Gedicht gewidmet. Seine Eltern haben hier eine Grabstätte – seine Mutter starb 1943 im KZ Theresienstadt.

Am Friedhofseingang an der Herbert-Baum-Straße steht eine schwarze Menschentraube vor der gelben Ziegeltrauerhalle. Um elf wird jemand beigesetzt, erklärt ein Anschlag und nennt Feld, Reihe, Grabnummer.


Zusammengefasst

Kategorie: Begräbnisplatz/Friedhof
Bundesland: Berlin/Germany
Baujahr: 1880
Verlassen seit:
Status:
Gesamtfläche: 42 Hektar
Denkmalschutz: Ja
Architekt: Hugo Licht (Parkgestaltung)

Erkundet: 2017
Foto-Copyright: URBAN ARTefakte
Text-Quellen: Wikipedia, Berliner Woche (Ein Ort für die Ewigkeit), Kulurerbe Netz Berlin

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s