Das Cafe Moskau

2011 fing ich lose damit an, gezielter Objekte aufzusuchen, die in DDR-Architektur entstanden sind. Hier und da entstanden immer mal wieder Fotos, die auf der Festplatte verharrten, aber nie gezeigt wurden.
Ab 2018 intensivierte sich das Thema wieder, so dass ich ab und an erneute Aufnahmen machte, in der Karl-Marx-Allee waren zu der Zeit allerdings schon Bauarbeiten eingetreten, so das ich froh bin, vom Cafe Moskau noch das eine oder andere Foto zu haben, welches ohne Bauarbeiten im Hintergrund auskommt. Zu den Fotos samt Historie im Hintergrund:

Das ehemalige NationaliätenRestaurant an der Karl-Marx-Allee

Für viele Menschen in der DDR blieb ein Besuch des Café Moskau ein Traum, denn das rechteckige Gebäude mit dem nüchternen Schriftzug auf der Karl-Marx-Allee war ein Ort, an dem man etwas mehr Geld brauchte, um feiern und essen zu können. Das Café und eigentlich Restaurant war einer der architektonischen Hingucker des Regimes. Damals war das Café Moskau ein eines von sieben sogenannten Nationalitätenrestaurants Ost-Berlins.
Haus Budapest, Haus Warschau, Haus Bukarest, Sofia, Praha und Morava gibt es längst nicht mehr. Sie haben die Wendezeit alle nicht überstanden, nur das Cafe Moskau trägt noch heute seinen Namen.

Aufnahme aus 2019

Das Café Moskau (eigentlich: Restaurant Moskau, Eigenschreibweise: Cafe Moskau ohne Accent aigu) ist ein denkmalgeschütztes Gebäude in der Karl-Marx-Allee 34/Ecke Schillingstraße in Berlin-Mitte gegenüber dem Kino International. Es beinhaltete zu DDR-Zeiten Speisen der russischen Küche und war ein beliebter Treffpunkt.

Modern und international im Internationalen Stil wollte sich der junge Sozialismus im Berlin der 60er Jahre präsentieren und bemühte sich dafür um Reproduktion des architektonischen Stils der Sowjetunion.
Ganz bewusst wurde für das erste große Bauvorhaben die Karl-Marx-Allee zwischen Straus­berger Platz und Alexander­platz in der Mitte Berlins auserkoren. Gerahmt von stattlichen Bauwerken mit kunstvollen Fassaden sollte die Prachtallee für Bewohner und Besucher die Vormachtstellung des Sozialismus und dessen Sieg symbolisieren.

So wurde eine Reihe innovativer Prunkbauten geplant, wie die legendäre Mocca-Milch-Eisbar und das gegenüberliegende Kino International mit dem 1996 abgerissenen Hotel Berolina (was heute als Nachbau das Bürgeramt Rathaus-Mitte ist).
Zum Herzstück jener charakt­eristischen Bauten wurde jedoch als künftige Vorzeige-Restauration der DDR das Café Moskau auserkoren.

Auf Wunsch des damaligen Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht wurde das Cafe Moskau 1959 nach den Plänen der Architekten Josef Kaiser, Horst Bauer und Werner Dutschke als ein Nationalitäten­restaurant konzipiert.
Auf diese Art wollte man die Verbundenheit und Nähe zu den sozialistischen Bruderstaaten mani­festieren. Durch ihre ländertypischen Küchen und Veranstaltungen sollten diese Restaurants den Ost-Berlinern Einblicke in kulinarische und kulturelle Bräuche der befreundeten Länder eröffnen. Mit insgesamt 600 Gaststättenplätzen war das Cafe Moskau geplant und wurde von 1961 bis 1964 errichtet.

Den Eingangsbereich zur Karl-Marx-Allee 34/Ecke Schillingstraße schmückt das 9 × 15 Meter große Mosaik „Aus dem Leben der Völker der Sowjetunion“ des Malers Bert Heller. Der Namenszug auf dem Dach in latei­nischen und kyrillischen Lettern wurde von dem Grafiker Klaus Wittkugel entworfen. 1965 schuf der Bildhauer Fritz Kühn einen 2,5 Meter hohen Stahlbrunnenkugel für den Innenhof.

Der Sputnik, das Wahr­zeichen über dem Dach, steht für besondere Begegnungen und erstklassige Veranstaltungen mit einer Strahlkraft, die weit über Berlin hinausgeht. (moskauberlin.net)

Zur Eröffnung wurde der Sputnik in Originalgröße, ein Geschenk des Botschafters der UdSSR, angebracht (siehe Foto oben).

Hinter seiner lichten Glasfassade bot das Café Moskau als Ort gehobener Gastlichkeit über 3.000 qm Veranstaltungsfläche, offerierte den Gästen eine großzügige Rauman­ordnung und vielfältige Nutzungs­möglichkeiten auf drei Ebenen.
Im Erdgeschoss waren alle Räum­lichkeiten von einem rundum verglasten offenen Atrium erreichbar; das brachte Transparenz und Licht in die Galerie ebenso wie in den Laden für sowjetische Volks­kunst und Salons wie den Steingarten oder die Natascha-Lounge.
Im Obergeschoss boten ein weitläufiges Konzert- und Tanzcafé Zerstreuung, Tee- und Mokka­stuben luden zum Verweilen ein.
In dem im Untergeschoss befindlichen Nacht­club, der mit hochwertigen Tischler- und Fliesen­arbeiten und kostbaren Marmorböden ausgestattet war, wurde getanzt.

Das Haus war beliebt, es erlangte schon bald den Nimbus einer Ikone, und es genoss internationalen Ruf. In seiner Blütezeit repräsentierten und feierten im Café Moskau bis zu 800 Personen in gehobenem Ambiente, umsorgt von bis zu 160 Angestellten. Café Moskau – das war Ost-Berliner Nachtleben auf höchstem Niveau.

Nach der politischen Wende ging auch hier die Immobilie an die Treuhandliegenschaftsgesellschaft (TLG Immobilien) über und stand lange Zeit leer.
Nach dem Jahr 2000 wurde das Café Moskau für unterschiedliche Veranstaltungen, kulturelle Aktivitäten und als Treffpunkt wiederbelebt.
Von 2002 bis 2004 war der WMF Club mit der gastronomischen Leitung betraut, bespielte die Nachtbar mit wöchentlichen Club-Abenden und gelegentlich auch alle anderen Bars.

Aufnahme aus 2011

Die neue Chance fürs Café Moskau und dessen Öffnung zu den Leuten in dieser Stadt liegt seit 2012 bei zwei jungen Frauen: Lisa Wege und Katajun Fakhoury von der Berliner Veranstaltungsagentur „Wahre Werte“.
Man werde mit der Berggruen-Holding als Käufer vom Cafe Moskau eng zusammenarbeiten heißt es, damit das „Moskau“ endlich das wird, was es längst wieder sein sollte: ein Stück Berlin.


Zusammengefasst

Kategorie: Gastronomie
Bundesland: Berlin/Germany
Baujahr: 1959
Verlassen seit:
Status: saniert, in Nutzung
Gesamtfläche:
Denkmalschutz: ja
Architekt: Josef Kaiser und Horst Bauer

Erkundet: 2011 und 2019
Foto-Copyright: URBAN ARTefakte
Text-Quellen: Wikipedia, Berliner Zeitung, Cafe Moskau, archINFORM, Stadtentwicklung Berlin, ZEIT, GrandTourderModerne, Tagesspiegel, DDR Bildarchiv, Sei Berlin, Flanieren in Berlin und HSH Architektur

https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/cafe-moskau-solange-nur-der-rubel-rollt-li.9198
http://web.archive.org/web/20111002161104/http://moskauberlin.net/index.php
https://de.wikipedia.org/wiki/Café_Moskau
https://deu.archinform.net/projekte/18080.htm
https://www.stadtentwicklung.berlin.de/denkmal/liste_karte_datenbank/de/denkmaldatenbank/daobj.php?obj_dok_nr=09011370
https://www.zeit.de/kultur/karl-marx-allee/index.html#prolog
https://www.grandtourdermoderne.de/orte/ortedetails/159/
https://www.tagesspiegel.de/berlin/liebesgruesse-aus-dem-cafe-moskau/332350.html
https://www.ddrbildarchiv.de/info/ddr-fotos/cafe-moskau-innenhof-plastik-fritz-kuehn-berlin-19730.html
http://web.archive.org/web/20091223092058/http://www.sei.berlin.de/live-dabei/berlin-auf-tour/berlin/ewerk-moskau
https://www.berliner-zeitung.de/nicolas-berggruen-hat-sich-einst-in-das-ost-berliner-cafe-moskau-verliebt-jetzt-gehoert-es-ihm-und-nirgends-stalinismus-li.9195
https://www.flanieren-in-berlin.de/bezirke/friedrichshainkreuzberg/stalins-ohr-und-tierskulpturen.html

Klicke, um auf HSH_Architekten_Pressemappe_Cafe_Moskau_101029_web.pdf zuzugreifen


https://www.berliner-zeitung.de/cafe-moskau-berggruen-zieht-die-reissleine-li.9199

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