Die stillgelegte Siemensbahn – Rotten Rails – abandoned City Trains II

Der S-Bahnhof Siemensstadt in Berlin

Im Juni 2013 war ich mit Sterotopie (hier Teil 1) auf einem alten Gelände eines ehemaligen und stillgelegten S-Bahnhofes. Wir waren damals eine ziemlich lange Wegstrecke (ca. 32 bis 39) abgelaufen und hatten vor Ort auch noch zwei Architekten angetroffen und uns mit diesen unterhalten, von denen ich nicht weiß, ob es jene (Chestnutt-Niess) waren, die zusammen mit Studenten 2014 einen Entwurf für eine Nachnutzung für dieses Gelände entwarfen.
Das Projekt „Re-Urbanisierung der Siemensbahn“ umfasste dabei die Einrichtung einer Schwimmbahn auf einem Streckenabschnitt, die gezielte Begrünung des Viadukts und die Herrichtung eines Fuß- und Radweges.

Zur damaligen Zeit hatte ich den Ort noch nicht benannt (auch wenn Kundige das natürlich schnell raus bekommen konnten); mittlerweile laufen dort aber die Bauarbeiten zur Wiederinbetriebnahme der vor 40 Jahren stillgelegten Strecke.
Laut rbb werden zunächst alter Schotter und marode Schwellen abgeräumt. Zum 800 Meter langen Stahlviadukt lägen erste Untersuchungsergebnisse vor: Demnach bestehe Hoffnung, dass er erhalten bleiben könne. Die Bahn will im Zuge der Wiederbelebung der Siemensbahn die historischen Bahnhöfe Wernerwerk, Siemensstadt und Gartenfeld reaktivieren. Eine Machbarkeitsstudie soll zudem klären, ob die Strecke über Gartenfeld hinaus verlängert werden kann.

 

Mittlerweile -mit Stand 2020- wird dort ja ganz Großes geplant – „Siemensstadt 2.0“. Bleibt abzuwarten, wie sich das alles entwickelt und was vom Denkmalschutz tatsächlich letztendlich übrig bleibt.

Geschichte der Siemensbahn

Siemensbahn ist der Name einer S-Bahn-Strecke in Berlin, die von Jungfernheide über knapp viereinhalb Kilometer nach Gartenfeld verläuft. Die Bezeichnung leitet sich von der Firma Siemens & Halske her, von der die Strecke in Eigenregie zwischen 1927 und 1929 erbaut wurde. Seit dem Reichsbahnerstreik im September 1980 ist sie außer Betrieb. 
Bereits im Jahr 1905 ließ der Siemens-Konzern einen firmeneigenen Bahnhof für seine Mitarbeiter einrichten, damit diese schneller zur Arbeit gelangen konnten. Der als „Fürstenbrunn“ (später: Siemensstadt-Fürstenbrunn) eröffnete Bahnhof an der Hamburger und Lehrter Bahn verzeichnete anfangs hohe Fahrgastzahlen, lag aber zum Werksgelände immer noch ungünstig.
Da sich zudem in den 1920er Jahren das Werkszentrum in die nördliche Siemensstadt verlagerte, suchte die Werksleitung nach einer Alternativlösung. 1925 verständigten sich Siemens und die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft (DRG) auf den Bau einer neuen Strecke.

Den Bau der Trasse sowie die Ausrüstung der Bahnhöfe übernahm die Siemens-Bauunion. Der Konzern stellte das Gelände bereit. Die Reichsbahn sollte lediglich den Betrieb sicherstellen. Diese Absprache war auch möglich, weil Konzernchef Carl Friedrich von Siemens gleichzeitig Präsident des Verwaltungsrates der DRG war.

Der Bau begann 1927 und wurde nach zwei Jahren abgeschlossen. Am 18. Dezember 1929 konnte der Verkehr aufgenommen werden. Die Züge fuhren elektrisch, die Große Elektrisierung der Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahnen war gerade im vollen Gange. In den ersten Jahren fuhren die Züge bis nach Neukölln oder Papestraße durch.
Die Passagierzahlen stiegen deutlich, wobei die Strecke großenteils durch die Arbeiter der Siemens-Werke genutzt wurde. Von den rund 90.000 Mitarbeitern, die Siemens zu dieser Zeit allein in Siemensstadt beschäftigte, nutzten etwa 17.000 die im Fünf-Minuten-Takt verkehrende S-Bahn von und zu ihrem Arbeitsplatz.

Ein Bebauungsplan von Albert Speer sah einen Umsteigebahnhof am Ende der Strecke vor. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Strecke beschädigt. So war die Spreebrücke kurz hinter dem Abzweig zerstört. Schon am 17. September 1945 konnte sie durch eine Behelfsbrücke ersetzt werden. Zu diesem Zeitpunkt war die Siemens-Güterbahn über eine hölzerne Rampe bereits provisorisch an den S-Bahnhof Gartenfeld angeschlossen worden, da die Wehrmacht die Spreebrücke gesprengt hatte.
Das zweite Gleis wurde als Reparationszahlung an die Sowjetunion ausgeliefert. Bis zum 28. April 1948 fand vorwiegend in den Nachtstunden auf dem S-Bahn-Gleis Güterverkehr statt. Die Verbindung blieb bis zum März 1950 bestehen, weil Siemens für die Deutsche Reichsbahn S-Bahn-Wagen reparierte.

Der zweigleisige Betrieb konnte am 3. Dezember 1956 nach dem Neubau der Spreebrücke wieder aufgenommen werden. Die früheren Nutzerzahlen wurden nicht mehr erreicht, weil der Siemens-Konzern seinen Hauptsitz nach München verlegt hatte. Die Strecke war fortan eine der am wenigsten genutzten im gesamten Berliner S-Bahn-Netz. Folglich wurden die Züge bis Jungfernheide zurückgezogen, und meist kamen ältere Fahrzeuge der Baureihen ET 168 und ET 165 zum Einsatz, die zuletzt im 20-Minuten-Takt mit 30 bis 40 Fahrgästen verkehrten.

Nach dem Reichsbahnerstreik im September 1980 wurde der Verkehr eingestellt. Die Siemensstadt verfügte mit den im Oktober 1980 eröffneten Bahnhöfen Siemensdamm und Rohrdamm der U-Bahn-Linie U7 über eine Alternative zu den Bahnhöfen Wernerwerk und Siemensstadt.

Im August 1995 wurde der Streckenteil zwischen der Bezirksgrenze zu Spandau und dem Bahnhof Gartenfeld unter Denkmalschutz gestellt.
2005 wurde beim Neubau der Schleuse Charlottenburg die Spree verlegt, dabei wurde der Bahndamm zwischen dem Abzweig von der Ringbahn und dem südlichen Spreeufer teilweise abgetragen und die Vorlandbrücke der Spreebrücke abgerissen.
2007 widersprach der Berliner Senat der beim Eisenbahn-Bundesamt beantragten Entwidmung des Bahngeländes. Verhandlungen zwischen der Deutschen Regionaleisenbahn und der Deutschen Bahn zur Übernahme der Infrastruktur zwischen Wernerwerk und Gartenfeld blieben 2008 ergebnislos.

Seitdem die Strecke außer Betrieb ist, hatten die Deutsche Bahn AG oder die Bezirke Spandau und Charlottenburg-Wilmersdorf, in denen die Bahnstrecke verläuft, nur wenige Erhaltungsarbeiten an den verfallenden und verwildernden Gleisanlagen, dem Unterbau und den Bahnhöfen durchgeführt.


Zusammengefasst

Kategorie: Schienenverkehr
Bundesland: Berlin/Germany
Baujahr: 1927-1929
Verlassen seit: 1980
Status: unsaniert
Gesamtfläche: knapp 4,5 km Strecke
Denkmalschutz: Ja
Architekt: Firma Siemens & Halske in Zusammenarbeit mit der Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft (DRG)

Erkundet: 2013
sonstiges: Fotos der stillgelegten S-Bahn Teil 1
Foto-Copyright: URBAN ARTefakte
Text-Quellen: Wikipedia

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